Engagementförderung ja, aber wie?

Die Perspektive eines Schülers

Paul ist Schülersprecher des Hochrhein-Gymnasiums in Waldshut-Tiengen. Im letzten Schuljahr hat er selbständig an seiner Schule eine Jugendkonferenz organisiert und auch moderiert. Was braucht es, damit Schüler:innen sich in der Schule einbringen möchten? Welche Erfahrung hat er mit der Jugendkonferenz an seiner Schule gemacht und wie geht es weiter?

Jugendstiftung: Paul, du bist Schüler am Hochrein-Gymnasium in Waldshut-Tiengen, wenn du an Schülerbeteiligung denkst, was fällt dir da als Erstes ein?

Paul: Mir kommt als Erstes in den Sinn, wie wichtig ein produktiver und regelmäßiger Austausch zwischen der SMV und vor allem der Schulleitung ist. Diese Gespräche, in denen man auch unangenehme Themen ansprechen und ausdiskutieren kann, bilden den Grundstein für alles Weitere, zum Beispiel die Umsetzung einer Jugendkonferenz.

Jugendstiftung: Gibt es an deiner Schule Möglichkeiten, sich als Schüler:in ins Schulleben mit einzubringen und wenn ja, welche?

Paul: Neben der Beteiligungsplattform aula kann sich jede und jeder direkt in der SMV als Referent:in einbringen und Projekte wie Sportturniere, Kleiderbasare oder viele andere Aktionen durchführen. Über das Tagesgeschäft hinaus bringen wir zudem unsere Punkte bei Themen wie der Mediennutzungsordnung ein. Durch zahlreiche, oft auch kontroverse Diskussionen mit der Schulleitung können wir unsere Positionen vertreten und diese anschließend in der Schulkonferenz zur Abstimmung bringen.

Jugendstiftung: Gemeinsam mit anderen Schüler:innen, hast du an deiner Schule eine Jugendkonferenz geplant und auch selbst moderiert? Wie ist es dazu gekommen und welche Erfahrung hast du damit gemacht?

Paul: Unser Direktor, Herr Funck, hat mir das Projekt gezeigt, und ich war schnell überzeugt. Ich halte Projekte zur politischen Bildung für sehr wichtig, und die Jugendkonferenz erschien mir eine hervorragende Möglichkeit, Demokratie praktisch zu erfahren und mitzugestalten. Danach ging alles ziemlich schnell: Wir Schülerinnen und Schüler haben die Initiative ergriffen, und das Projekt nahm seinen Lauf. Was ich sowohl bei der Konferenz an unserer Schule als auch bei den beiden anderen, bei denen ich moderieren durfte, mitgenommen habe: Wie wichtig es ist, Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, ihre Meinung und Ideen offen zu äußern und zu diskutieren und welche neuen Ideen daraus entstehen können. Einen besseren Weg, Demokratie zu erfahren, gibt es meiner Meinung nach nicht.

Jugendstiftung: Wie möchtet ihr mit den Ergebnissen der Jugendkonferenz an eurer Schule weiterarbeiten? Gibt es dazu schon konkrete Ideen oder erste Umsetzungsmöglichkeiten, die angestoßen wurden?

Paul: Da unsere Ergebnisse Vorschläge für die Schule bis zum Land betrafen, sortierten wir sie erstmal. Ideen wie bessere Vorbereitung auf Stress, ein weiterer Wasserspender flossen in unserer SMV ein und wurden dort weiterverfolgt bis zur Umsetzung. Bei weitreichenden Ideen wie mehr digitaler Bildung im Lehrplan oder dem Limitieren nicht nur von Klausuren, sondern auch von Tests waren wir froh, dass wir diese an der Landesjugendkonferenz einbringen könnten und hoffen, dass sowohl die Vorschläge von uns als auch von den anderen Schulen bei der Landesregierung Gehör finden.

Jugendstiftung: Was könnte aus deiner Sicht helfen, damit auch andere Schüler:innen Lust haben sich in der Schule zu engagieren? Sei es bspw. in der SMV, als Klassensprecher:innen, in AGs oder an Projekttagen?

Paul: Die wichtigste Voraussetzung ist das, was ich eingangs beschrieben habe: eine Schulleitung und ein Kollegium, die zuhören und unterstützen wollen. Es darf kein Gegeneinander sein, sondern eine Zusammenarbeit. Dann sind die Schülerinnen und Schüler motiviert, sich zu engagieren, weil sie wissen, dass ihnen wirklich zugehört wird und es tatsächlich möglich ist, Projekte umzusetzen.

Jugendstiftung: Was motiviert dich selbst, dich zu engagieren?

Paul: Wer sich engagieren will, findet bei uns viele Möglichkeiten. Ich selbst habe vor vier Jahren als Referent angefangen, und weil es mir Spaß gemacht hat, bin ich heute Schülersprecher. Jetzt darf ich Projekte wie die Jugendkonferenz oder Podiumsdiskussionen ermöglichen. Für mich ist es eine tolle Erfahrung, diese Veranstaltungen umzusetzen und gleichzeitig ist es schön, anderen Schülerinnen und Schülern Chancen zu eröffnen, die sie sonst vielleicht nicht hätten.

Jugendstiftung: Danke Paul für das Interview, deine Einblicke und dein Engagement!